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Kapitel 10
Leider wollte Sie allein mir ihre schlanke Taille zeigen. Wir waren beide sehr stolz darauf. Öfter wünschte ich mir, ein Fotos von Ethel an London Life schicken zu können (ein Magazin, welches seinerzeit das Korsett und die schlanke Taille zum Thema hatte). London Life hatte niemanden wie Ethel, die Leser kamen nicht weiter als bis zu den Zeichnungen.
Kurz darauf brach der Krieg aus. Kleidung wurde rationiert und nur über Coupons ausgegeben.
Wir haben keine Probleme gehabt, Kleidung anzuschaffen, denn wir verfügten über ausreichende Mengen an Gutscheinen.
Das Problem war, jemanden zu finden, der Korsetts auf Maß fertigen konnte und der in der Lage war, bessere Materialien als die Verfügbaren zu beschaffen.
Allein die besten Materialien konnten die Kraft ertragen, die das Engerschnüren von Ethel auslöste.
Die Liste der Korsettmacher trocknete schnell aus. Wir versuchten es bei Mr. Overett, der das Geschäft übernommen hatte von Mme. Lorette. Er sagte, daß er noch über gute Materialien verfüge und wir bestellten bei ihm ein rosafarbenes Korsett aus Satin mit einem Taillenmaß von 35,5 cm. Wir baten ihn, es auf der Stelle zu machen, damit Ethel es noch anprobieren könne.
Mr. Overett war mittlerweile umgezogen in den Knightsbridge Way näher Hanover Square. Er hatte dort eine schillernde Auslage mit Mustern schöner Korsettkreationen in schwarzem, weißen und rosafarbenen Korsettsatin. Alle Kreationen hatten glänzende Taillen. Als wir Mr. Overett zum ersten mal trafen machte er einen sehr nervösen Eindruck. Er sagte, daß Ethel mit ihrer dermas schmalen Taille eine einzigartige Figur habe, wie sonst niemand in seinem Kundenkreis. Seine Korsetts hatten eine ganz andere Linienführung wie die, die wir gewohnt waren und Ethel hielt nicht viel von diesen Korsetts, da ihr die Front nicht steif genug war.
Deshalb stellte ich ihm eine Planchette von mir zur Verfügung, die steif genug war. Mr Overett versprach, daß er alles zu unserer Zufriedenheit erledigen würde. Außerdem erklärte er sich bereit, auch Reparaturen durchzuführen, was damals von immer größerer Bedeutung wurde. Es wird sehr schnell schwierig an neue Korsetts zu kommen. Die erforderlichen Materialien waren bald nicht mehr zu bekommen. Das bestellte Korsett wurde schnellstens abgeholt und Ethel konnte es bereits nach einer Woche komplett zuschnüren. Danach war der Tragekomfort sehr angenehm. Umgehend bestellten wir noch ein weiteres Korsett mit demselben Taillenumfang von 35,5 cm, da sowohl ich als auch Ethel einen Haufen zu tun hatten während der Kriegszeiten. Ethel erledigte viele Erdarbeiten und es war erstaunlich, daß Sie dies tun konnte mit ihrer steif eingeschnürten Taille von 35,5 cm Umfang.
Dann begannen die Probleme, als Mr Overett nicht mehr in der Lage war, an geeignete Materialien heranzukommen. Danach konnten Maßkorsetts nur noch auf ärztliche Verschreibung beschafft werden. Der Zu-stand von Ethel’s Korsetts wurde schlechter und schlechter. Reparatur was das Einzige, was uns noch weiterhelfen konnte.
Um Ethel zu helfen, ihre Figur zu halten und um die Korsetthälften zusammenzuhalten fertigte ich aus Leder einen steifen Riemen, den sie über ihrem Korsett trug. Wir kämpften darum, ihre Figur einigermaßen zu halten, aber als der Friede nahte manifestierte sich auch der Mangel an guten Korsetts in der abgelaufenen Periode. Im Erreichen einer guten Figur waren wir etwa 10 Jahre zurückgeworfen worden.
Als wir endlich wieder über gute und neue Korsetts verfügen konnten war ihr Taillenumfang auf 40,5 cm vergrößert. Es war ein Problem, Ethel wieder in ein Korsett mit 38 cm Taillenumfang zu bekommen. Zusätzlich wollte Ethel ihre Freiheit des geräumigeren Korsetts nicht wieder aufgeben. Es ist wahr, sie hat es nicht leicht gehabt während der Kriegsjahre. Hiermit kommen wir zum Ende des ersten Teils der Lebensgeschichte von Ethel und William.
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